Kunden verlieren
Schon die Frage, wie Unternehmen ihre Kunden verlieren, erweckt zuerst die Alarmreaktion:
“Nur keine Kunden verlieren!”: Unternehmen transportieren in den
Markt ihr Erscheinungsbild als
unbegrenzte Bereitschaft zur Erfüllung aller Kundenwünsche. Das Ziel ist,
alles zu tun um Kunden zu gewinnen, ihn zu binden und alles vorzubeugen, um den
Kunden nicht zu verlieren.
Geht es Unternehmen um die Erfüllung aller Kundenwünsche? Das
Marketing sagt ja. Im Verkauf geht es aber
um ein Geschäft, von dem beide Seiten – der Käufer und der Anbieter – profitieren.
Unternehmerisches Handeln nach der Devise „Der Kunde ist unser König“ kann sich
als der schnellste Weg zum Kundenverlust durch Insolvenz erweisen: Kunden (die man
nicht verlieren kann) wollen immer den günstigsten Preis, immer bessere Qualität,
immer mehr (kostenlosen) Support, was sehr schnell die Überlebensgrenze des Unternehmens
erreichen kann.
Eine allgemein verstandene Kundenzufriedenheit als Indikator für den Unternehmenserfolg
anzuwenden, ist daher für die Geschäftspraxis eher verwirrend als nützlich, weil
sie den geleisteten Kundennutzen mit den Angeboten der Konkurrenz vergleichbar macht.
Indem Unternehmen für ihre Produkte mit “mehr”, “billiger”, “besser” werben, programmieren
sie den Weg zum Kunden verlieren vor:
1. Eine deratige Produktpräsentation ist sehr schnell durch Mitwettbewerber zu kopieren.
2. Kundenerwartungen werden unbeschränkt gesteigert, ohne dass sie immer erfüllt
werden können, was schnell im Kundenverlust endet.
Sinnvoller zeigt sich eine andere Perspektive: Kundenverlust ist ein Bestandteil
der Kundengewinnung. Mehr noch: Kunden zu verlieren
ist oft notwendig, um neue Kunden zu gewinnen. Kunden zu verlieren, bedeutet für
Unternehmen, diesen Kunden keinen marktunvergleichbaren und einmaligen Dauernutzen
bieten zu können. Bietet ein Unternehmen keinen speziellen Nutzen, steht es dann
für Kunden im direkten Vergleich zur Konkurrenz und kann Kunden zu jeder Zeit verlieren.
Bietet jedoch das Unternehmen einen speziellen Nutzen, verliert es dann Kunden,
die nicht seiner Zielgruppe entsprechen und damit für den Anbieter langfristig uninteressant sind.
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